Der Zauber des Prachtvollen

  • Vom 25. Februar 2019

Sie kennen Karl Lagerfeld? Ob Sie ihn mögen oder nicht, eines steht fest: Er hat die Modewelt über Jahrzehnte geprägt. Er war eine schillernde Persönlichkeit, die uns allein durch ihr Sosein ins Staunen versetzt hat. Wenn immer er über den Fernsehbildschirm lief, musste ich hinschauen – ohne, dass ich seine Kreationen wirklich gekannt habe. Karl Lagerfeld war ein Unikat, er war prachtvoll auf seine eigene Art.

Was das Prachtvolle mit uns macht

In der Gegenwart von etwas Prachtvollen halten wir inne – begegnen wir nun einem faszinierenden Menschen, werden Zeuge eines Naturschauspiels oder haben ein wirklich ausgefeiltes Produkt vor uns. In der Gegenwart von etwas Prachtvollem setzen wir sogar neue Prioritäten. Wir haben plötzlich Zeit. Wir schaffen uns die Zeit, trotz aller Verpflichtungen. Und wir beschäftigen uns auch dann noch mit dem Prachtvollen, wenn wir längst in unseren Alltag zurückgekehrt sind.

Die Pracht der Natur, eines Produktes oder Menschen inspiriert uns – und eine Frage reift heran: Könnten wir selbst mit uns, unseren Projekten und Unternehmen eine solche Wirkung erzielen? Dafür müssten wir zur Pracht finden, nicht zu einer kopierten, sondern zur eigenen. Wir müssten zum Original werden, so wie Karl Lagerfeld eines war. Und er war bestimmt nicht perfekt. Ich gehe sogar davon aus, dass er zu keinem Zeitpunkt seiner Karriere den Anspruch hatte, perfekt zu sein.

Das Geheimnis hinter der Pracht

Der Zauber hat ein simples Geheimnis: Das Prachtvolle ist und handelt in der Ordnung. Wahrscheinlich ist es darum so selten. Viel eher begegnet uns die Unordnung. Menschen sind unzufrieden, Beziehungen scheitern. Unternehmen warten auf ihren Erfolg, selbst gute Produkte auf ihren Absatz. Die Ordnung ist der Pracht vorgegeben. Die Ordnung ist sogar der Liebe vorgegeben. Das erleben und akzeptieren wir in der Natur: Ein Baum entwickelt sich nach einer inneren Ordnung. Ein Wal existiert nach einer Ordnung – er stirbt, wenn diese Ordnung gestört ist. Liebe allein kann ihn nicht retten. Im Falle Karl Lagerfelds wissen wir nicht, ob er ein glücklicher Mann war. Doch in seinem Schaffen hat er sich eingefügt und konnte dadurch lange erfolgreich wirken. Immerhin gehört zu einem solchen Werdegang mehr als Genie.

Die Unordnung kostet uns Menschen in der ersten Welt nicht gleich das Leben. Doch unser Erfolg bleibt aus. Wenn wir die Ordnungen des Erfolgs jedoch anwenden, haben Menschen, Beziehungen und Unternehmen mehr Möglichkeiten, sich prachtvoll zu entfalten.

Foto: iStock

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