Die gute Ahnin – eine Anleitung zum tieferen Glück

  • Vom 27. Februar 2019

Eine glückliche Frau sein – diesen Wunsch hat jede. Wir tun alles in unseren Möglichkeiten, um das Glück zu finden. Wir nehmen uns einen guten Partner, gründen eine Familie, geben unser Bestes in Ausbildung und Beruf. Doch manchmal will sich das gute Gefühl auch dann nicht einstellen, wenn wir alles erreicht haben. Etwas in uns erhebt Zweifel.  

Von Frau zu Frau

Schauen Sie sich für einen Moment in Ihrer Familie um, schauen Sie zurück: Waren Ihre Mutter und Großmutter glückliche Frauen? 

Mehr Generationen vor uns kennen wir meist gar nicht und auch das Gefühlsleben der Vorfahren, die wir kennen, können wir nur begrenzt erfassen. Am vertrautesten ist uns das Erleben unserer Mutter, weil sie uns am nächsten steht und wir neun Monate unter ihrem Herzen lagen.

An unsere Großmütter wiederum haben wir gute Erinnerungen. In der Weisheit eines gelebten Lebens und in dem Bewusstsein, vieles doch richtig gemacht zu haben, weil die eigenen Kinder wieder neues Leben gezeugt haben, konnten sich unsere Großmütter uns gegenüber Liebe und Milde erlauben. 

Doch jetzt, wo wir erwachsen sind, können wir ihnen von Frau zu Frau begegnen. Wenn Sie also nicht als Kind, sondern als erwachsene Frau zurückblicken: Waren Ihre Mutter und Großmutter glückliche Frauen?

Auch in deren Leben gab es viele glückliche Momente – wie es auch bei uns glückliche Moment gibt. Die Frage aber ist, waren Sie im Grunde ihres Herzens glückliche und zufriedene Frauen?

Der Blick in die Welt

Es macht betreten, wenn wir diese Frage eher mit Nein beantworten müssen. Manchmal kennen wir sogar die Biografie dazu. Der Krieg hat ihre Männer und Väter genommen. Von meiner Großmutter weiß ich, dass sie ohne Mutter aufwuchs.

Es war nicht der Krieg, der sie ihr genommen hat. Meine Urgroßmutter starb bei einer Abtreibung. Kurz darauf starb auch die ältere Schwester meiner Großmutter. Sie starb bei einem Autounfall, zu einer Zeit in einem Dorf, wo es wenig Verkehr gab. Sie folgte ihrer Mutter – in Liebe.

Wie muss meine Großmutter als junge Frau in die Welt geblickt haben? Zuerst hatte sie den Verlust der eigenen Mutter und Schwester zu betrauern. Wahrscheinlich stand ihr Vater ihr in seinem Schmerz wenig zur Verfügung. Als erwachsene Frau musste sie ihren Mann begraben, nicht unmittelbar nach dem Krieg, doch als Folge des Krieges, Jahre später nach langer Krankheit. 

Wie muss meine Mutter als junge Frau in die Welt geblickt haben? Beide Eltern waren physisch präsent. Doch standen sie auch emotional zur Verfügung? Konnten Sie ihr offenen Herzens von der Schönheit des Lebens berichten? Oder haben sie eher funktioniert?

Wir lieben unsere Mütter, Großmütter und Urgroßmütter, selbst wenn wir sie gar nicht kennen. Wir gehen ins Mitgefühl – und machen das, was alle Generationen vor uns getan haben: Wir blicken zurück auf den Schmerz anstatt nach vorn auf die Freude. So stehen wir der neuen Generation unter Umständen ebenso wenig zur Verfügung, wie unsere Mütter uns zur Verfügung standen. Und das oft, obwohl wir es doch anders machen wollten…

Die Lösung

Es ist ein Gesetz des Lebens, dass es uns Kindern – egal wie alt wir sind – gut geht, wenn es unseren Eltern gut geht. Werden unsere Mütter krank, lastet das auch schwer auf uns und auf unserer Zufriedenheit. Welches Glück soll diesen Schmerz aufwiegen? Dürfen wir glücklicher werden als sie? So blicken wir mit einem Auge stets auf das Leid, in der Sorge, dass es auch nach uns greifen wird.

Das Leben wäre nicht das Leben, wenn es nicht auch anders gehen könnte. Machen Sie eine Erfahrung, wie es gelingen kann, den Kreislauf zu durchbrechen – für sich selbst und ihre Kinder.

Lassen Sie alle Ansprüche fallen

Der Mensch hat, wenn es um Schmerz geht, ein unglaubliches Gedächtnis. Mehr noch als die Freude speichern wir die Trauer, auch in unserem Körper. Und so könnten wir unseren Müttern heute noch erzählen, in welchen Momenten sie uns allein gelassen oder unsere Grenze überschritten haben. Wir werfen unseren Müttern ihre Fehler vor – in der Hoffnung, es möge etwas kommen, das diese Lücke in uns schließt. 

Heute ist der Tag, an dem Sie alle Ansprüche fallen lassen dürfen, um ihretwillen. Erkennen wir an, dass wir vollkommen sind, so wie wir sind. Erkennen wir an, dass nichts von dem, was uns unsere Mutter heute sagen könnte, an unserem Gefühl etwas ändert. Weil wir mit ihr auf der Seite des Schmerzes stehen. Allenfalls entstehen Verständnis und Einigkeit in diesem Feld, nicht jedoch dauerhafte Zufriedenheit.

Seien Sie mit dem Schicksal einverstanden

Ich bin einverstanden mit dem, wie es für meine Vorfahrinnen gelaufen ist. Wie kann ich nur? Vor allem kann ich es nichts an ihrem Schicksal ändern. Ich kann nichts ungeschehen machen.

Was haben unsere Ahnen davon, wenn wir mit ihnen ins Mitgefühl gehen? Können wir sie nicht einfach nur lieben, in unserer Zeit, die frei von diesen Schrecken ist? Hätten sie dann nicht eher das Gefühl, dass ihr Leben einen Sinn gemacht hat? Weil die Linie trotz allem weiterging. 

Seien Sie dankbar für Ihr Leben

Wir ehren unsere Mütter und Großmütter am meisten, wenn wir ein gutes Leben haben. Seien wir dankbar für die Zeit und Umstände, in denen wir leben. Seien wir dankbar dafür, dass sich unsere Vorfahrinnen für das Leben entschieden haben. Sonst gäbe es uns nicht.

Sorgen wir also gut für uns. Helfen wir uns selbst, anstatt zu erwarten, dass uns unsere Mütter etwas nachliefern, von dem wir noch nicht mal wissen, ob wir es brauchen.

Erkennen Sie das Gute in Ihrer Linie

Wenn wir alle Ansprüche fallen lassen, passiert etwas ganz Wundervolles. Wir erkennen, wie viel Gutes in unseren Linien ist. Was uns keiner gesagt hat: Wenn wir eines ablehnen, lehnen wir alles ab. Wenn wir alles annehmen, bleibt nur das Gute bei uns.

Ich sehe gewiss, dass ich fähig zu den Gefühlen und Handlungen meiner Mutter und Großmutter bin (und glauben Sie nicht, dass sich die beiden gut verstanden haben). Doch indem ich alles aus dem Korb der Potenziale annehme, kann ich selbst entscheiden, welche zum Erleben kommen.

Bin ich dagegen in der Abwehr, werde ich in den Anteilen, die ich an meiner Mutter ablehne, wie sie – weil ich meine Aufmerksamkeit nur auf diese Anteile lenke.

Begegnen Sie der glücklichen Ahnin

Wo viel Gutes ist, gibt es meist noch mehr. Machen wir uns darum auf die Suche nach der Vorfahrin, die eine glückliche Frau sein durfte.

Machen Sie es sich gemütlich und schließen Sie für einen Moment die Augen. Stellen Sie sich vor, Sie stehen auf einer großen grünen Wiese. Rufen Sie die weiblichen Vorfahren Ihrer mütterlichen Linie. Erkennen Sie, wie viele Sie sind? Wir sehen immer nur einen kleinen Ausschnitt der Welt und halten es für die Wahrheit.

Eine Wahrheit ist auch, dass es in der Reihe Ihrer Vorfahrinnen mindestens eine gab, die jene Zufriedenheit im Leben hatte, nach der Sie sich sehnen. Bitten Sie diese Ahnin, sich zu erkennen zu geben. Sie kann fünf oder 15 Generationen vor Ihnen gelebt haben. Doch es gab sie. Ihr Blut fließt durch Ihre Adern – und mit dem Blut auch die Information.

Lassen Sie die Ahnin auf sich zukommen und reichen Sie ihr die Hände. Es geht nicht darum zu wissen, wer sie war. Es geht um das Gefühl, das Sie bei der Berührung bekommen.

Bitten Sie die Ahnin, Ihnen die Potenziale der Linie zu überreichen. Der Volksmund sagt immer, ein Talent würde eine Generation auslassen. Systemisch wahr ist, dass dieses Potenzial in dieser Generation nicht bereitgestellt wurde, nicht aus bösem Willen, sondern weil die Umstände so waren, wie sie waren. Nehmen Sie das ganze Potenzial Ihrer Linie an.

Merken Sie, wie Sie sich innerlich aufrichten? Auch das gibt es in Ihrer Linie. Jetzt haben Sie die Wahl, welchen Frauen Sie folgen. Die Liebe bleibt auch zu denen, die einen anderen Weg gehen mussten.

Stehen Sie im Alltag vor gewichtigen Entscheidungen, können Sie innerlich auch immer die gute Ahnin fragen, wie sie handeln würde. Erleben Sie, wie Frieden einkehrt.

Vielleicht werden Sie auch milder mit Ihrer Mutter – und das Glück kann dauerhaft bei Ihnen einziehen. 

In Liebe für meine Mama, die am 18. Mai 70 Jahre alt wird. Danke fürs Leben.

Foto: Kaboompics

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