Kürzlich durfte ich mit einem Mann arbeiten, der unter chronischem Kopfschmerz leidet. Ein feinfühliger, tiefgründiger Mensch, dessen Körper ihn immer wieder ausbremst. Er hat sich daran gewöhnt und lebt mittlerweile "gut" damit. Mich hat das nachdenklich gemacht, denn in meiner Arbeit erlebe ich, dass solche Phänomene selten zufällig kommen.
Wenn Ärzte nichts finden
Chronische Kopfschmerzen lassen sich oft nicht erklären. Bilder zeigen nichts, Diagnosen bleiben vage, Tabletten lindern, aber nur für den Moment. Bitte lassen Sie anhaltende oder neue Kopfschmerzen immer zuerst ärztlich abklären. Erst wenn organische Ursachen ausgeschlossen sind und der Körper gut versorgt ist, mit Wasser, Schlaf und Entspannung, lohnt der Blick nach innen.
Dann dürfen wir fragen:
- Was erlauben wir uns eigentlich nicht mehr?
- Wo weichen wir ab von dem, wie wir gemeint sind?
Was die Seele nicht lebt, zeigt manchmal der Körper
Aus ganzheitlicher Sicht hängen Seele und Körper enger zusammen, als wir denken. Wenn wir uns über lange Zeit etwas versagen, das eigentlich zu unserem Wesen gehört, dann verschwindet dieser Anteil nicht. Er sucht sich einen anderen Weg. Und manchmal ist es der Körper, der ausspricht, was wir uns innerlich verbieten.
Ein alter Satz wirkt dabei bis heute in vielen von uns nach. Wir leben auf christlich geprägtem Boden, auf dem die Inquisition tiefe Spuren hinterlassen hat, und aus dieser Zeit stammt der Satz: "Es kann nicht sein, was nicht sein darf." Wo dieser Satz regiert, bringen wir Anteile in uns zum Schweigen, weil sie unbequem scheinen, unpassend, nicht vorgesehen.
Drei Anteile, die ich immer wieder beobachte
In den über zwanzig Jahren, in denen ich mich mit diesen Zusammenhängen beschäftige, habe ich beobachtet, dass bei chronischem Kopfschmerz und Migräne oft ein oder mehrere von drei Anteilen keinen Raum bekommen.
Der liebende Anteil
Liebe will frei fließen, vor allem zur Herkunftsfamilie. Doch Loyalität, Schmerz, Scham und manchmal Wut bremsen diesen Fluss. Die Energie staut sich im Herzen und sucht sich einen Ausweg im Kopf. Kopfschmerz als Stau der Liebe.
Bei dem Mann, von dem ich erzählt habe, war die Bewegung zum Vater blockiert. Die Mutter war eine starke Frau, die den Vater nicht guthieß. Im Raum stand fast hörbar der Satz „Werd bloß nicht wie dein Vater". Doch jeder Mensch hat ein Grundrecht auf seinen Vater, so wie er ist, egal wie schwierig er war. Die Liebe dennoch fließen zu lassen, verlangt eine große innere Bewegung. Bleibt sie blockiert, kann daraus ein tiefer seelischer Schmerz werden, der sich am Ende als Pochen im Kopf zeigt.
Der lebendige Anteil
Dieser Anteil ist konkreter, als der Name klingt. Es geht um unsere Lebens- und Schöpferkraft, und damit auch um unsere Sexualität. In der Naturheilkunde sagt man sogar, Migräne sei der Orgasmus im Kopf. Die Fragen dahinter lauten: Wie gehen wir mit unserer Sexualität um? Wie durfte sie in unserer Familie gelebt und ausgedrückt werden?
Auch hier wirkt das alte Erbe. Gerade Frauen tragen es oft noch in sich, ihre Sexualität nicht frei leben zu dürfen. Mit der Sexualität ist zugleich die Heilkraft verbunden, und auf dem Boden der Inquisition durften Frauen weder das eine noch das andere frei zeigen, Heilerinnen wurden verfolgt. So wurden viele von uns brav, angepasst und funktional.
Diese gebundene Lebenskraft sucht einen Ausweg und steigt als Spannung nach oben. Denn Schöpferkraft heißt, etwas Geistiges in die Welt zu bringen und in Materie zu verwandeln, wie Erzeugung und Geburt. Wird dieser Anteil unterdrückt, entsteht Druck. Kopfschmerz als Stau der Lebenskraft.
Der wahrnehmende Anteil
Manche Schmerzen entstehen, wenn unsere feine, intuitive Seite keinen Raum bekommt. Schon Hildegard von Bingen, die selbst unter starker Migräne litt, kannte diese Verbindung von Wahrnehmung und Schmerz. Hinter unseren körperlichen Sinnen liegen feinere Wahrnehmungen, so etwas wie Antennen. Nicht umsonst sagen wir, uns sei ein Licht aufgegangen. Wenn wir diese Seite verleugnen, weil wir unbedingt rein rational sein wollen, kann sich auch das als Druck im Kopf zeigen. Kopfschmerz als Stau der Intuition.
Wenn das Leben wieder sprechen darf
Was würde geschehen, wenn diese Anteile wieder Raum bekämen? Wenn die Liebe fließen darf, wo wir uns abgewandt haben. Wenn wir wieder zulassen, was wir uns verboten haben. Wenn wir hören, was längst zu uns spricht.
Manche Menschen erleben, dass der Schmerz nachlässt, wenn das Gestaute endlich gehört wird und wieder fließen darf. Der Kopf wird ruhiger, wenn das Leben in uns wieder sprechen darf.
Welcher Anteil bei Ihnen nach Raum ruft, zeigt sich allerdings erst im gemeinsamen Hinschauen. Diesen Weg geht man nicht allein am Küchentisch. Es braucht einen geführten Raum, in dem das Verdrängte sicher wieder auftauchen darf, oft in einer Aufstellung. Und der Körper braucht danach Zeit und Ruhe, um nachzufolgen.
Ihr erster Schritt
Wenn Sie unter chronischem Kopfschmerz leiden und das Gefühl haben, dass mehr dahintersteckt, schauen wir gemeinsam hin, ergänzend zu Ihrer ärztlichen Behandlung. Je nachdem, welcher Anteil keinen Raum bekommt, verbinde ich systemische Begleitung und Familienaufstellung mit Naturheilkunde und ganzheitlicher Begleitung, damit das seelische Potenzial wieder frei wird und der Körper zur Ruhe kommt. Der erste Schritt ist ein kostenfreies Orientierungsgespräch.
Rechtlicher Hinweis: Meine Begleitung ist komplementär und ersetzt keine ärztliche Behandlung. Bitte lassen Sie anhaltende oder neue Kopfschmerzen zuerst ärztlich abklären.
Bild: Valeriia Miller