Alte Tür im Licht als Sinnbild für einen Trigger, der zu einem alten Thema führt.

Ein Familientisch, ein Feiertag. Die Schwiegermutter sagt einen beiläufigen Satz, halb nebenbei, kaum der Rede wert. Und doch ist er wie ein Nadelstich. Plötzlich fühlen Sie sich klein, wütend oder wie gelähmt, und das über Stunden. Von außen war es eine Kleinigkeit. Innen war es ein Einschlag. Ein Satz, und plötzlich sind wir wieder zwölf.

Sie stehen mitten im Leben, erwachsen und souverän. Und trotzdem reicht manchmal ein Nebensatz, eine Geste, und die Souveränität ist weg, mit einem Stresslevel, das nicht zur Situation passt. Ich kenne das von früher gut. Damals dachte ich, der andere habe mich verunsichert. Heute weiß ich: Er hat einen Knopf gedrückt, der längst da war.

Zwei Arten von Gefühlen

Um zu verstehen, was in solchen Momenten geschieht, hilft ein Blick auf zwei sehr unterschiedliche Arten von Gefühlen.

  • Das Primärgefühl antwortet auf das Hier und Jetzt. Eine Situation trifft mich, ich lasse dem Gefühl kurz freien Lauf, vielleicht kommt es zu einem Konflikt, wir klären ihn, und die Sache legt sich. Ich habe es durchlebt, verdaut und wieder losgelassen. Das muss keine Wut sein. Es kann Trauer sein, Angst, Freude, das ganze Spektrum der Gefühle. Ein Primärgefühl ist ein reinigendes Gewitter. Es ist gesund, und danach bin ich wieder präsent.
  • Das Sekundärgefühl funktioniert anders. Jemand sagt einen Satz, und plötzlich kocht etwas hoch, das in keinem Verhältnis zum Anlass steht. Wir fallen aus der Zeit. Wir sind nicht mehr 42, wir sind wieder zwölf, und wir treffen unsere Entscheidungen mit der Brille der Zwölfjährigen. Diese Entscheidungen führen selten zu dem, was wir uns erhoffen. Das ist kein Versagen. Das ist Ursache und Wirkung. Ein Sekundärgefühl weist uns auf eine vergangene Situation hin, in der wir hängen geblieben sind.

Wie alt fühlen Sie sich gerade?

In meinen Sitzungen sehe ich das oft. Wir kommen an einen wunden Punkt, und ein Mensch schließt die Augen, länger als sonst, auch wenn ich noch mit ihm spreche. Dann weiß ich, er schaut gerade mit den inneren Augen auf eine alte Situation. Genau das ist der Hinweis auf ein Sekundärgefühl. Bei einem Primärgefühl schauen wir mit den äußeren Augen auf das, was wirklich vor uns liegt. Ich frage dann leise: Wie alt fühlen Sie sich gerade? Fast immer kommt eine Zahl und mit ihr eine Geschichte von damals.

Der Trigger zeigt eine Tür

Ein Trigger ist für mich fast ein Geschenk. Denn er kennt den Weg zu einer Tür, die wir längst verschlossen haben, und er zeigt sie uns. Hinter dieser Tür liegt die alte Situation, das Lebensthema, das unverdaut in uns schwelt. Der Trigger allein löst nichts. Aber er zeigt, wo wir hinschauen dürfen. Diesen Blick hinter die Tür gehen wir in der systemischen Begleitung, denn dort liegt das Lebensthema, um das es wirklich geht.

Ein Trigger hat übrigens nicht immer mit einem Trauma zu tun. Manchmal weist er nur auf ein altes, unverdautes Thema hin. Manchmal aber steckt hinter der Tür ein ganzer Anteil, den wir einmal stillgelegt haben. Warum wir das tun und wie er zurückkommt, beschreibe ich in Was der Obstbaum über unsere Wunden weiß. Ob mehr dahintersteckt, zeigt sich im gemeinsamen Hinschauen.

Warum triggert mich das?

Bleiben wir bei der Schwiegermutter. Am selben Tisch sitzt bestimmt noch jemand und für den war ihr Satz nicht schwer. Dasselbe gilt im Beruf: Uns trifft die Bemerkung der Chefin, während die Kollegin daneben nicht einmal zuckt. Warum trifft es die eine und den anderen nicht? Wir könnten jetzt mit dem Finger nach außen zeigen, auf die Chefin, auf die Schwiegermutter. Gesünder ist die andere Frage: Warum triggert mich das? Diese Frage führt nach innen, und dort liegt die Freiheit. Wenn ein Thema größer ist und an die Herkunft rührt, lohnt es sich, das in einer Aufstellung anzuschauen.

Wenn der Körper mitspricht

Es ist kein Zufall, dass so viele Menschen unter Magen-Darm-Beschwerden leiden. Unser Verdauungstrakt ist dafür da, dass wir verdauen, in erster Linie Nahrung, aber ebenso Situationen und Gefühle. Was wir durchlebt und verstanden haben, dürfen wir loslassen, auch im Sinne des Ausscheidens. Was wir dagegen nicht verdauen, schwelt im Unterbewusstsein weiter und kann sich körperlich melden. Aus ungelösten Themen können Symptome, vielleicht sogar chronische Beschwerden werden, gerade am Verdauungstrakt. Das Körperliche begleite ich dann auch naturheilkundlich, während wir uns das Lebensthema dahinter ansehen.

Ich vergleiche das gern mit einem Kühlschrank. Wenn dort Lebensmittel vor sich hin gären, ist das kein schöner Anblick, es riecht nicht gut, und gesund ist es auch nicht. In unserem Inneren ist es genauso. Wir räumen den inneren Kühlschrank auf und befreien ihn von dem, was längst verdorben ist und für seelische wie körperliche Symptome sorgt.

Herr und Frau des eigenen Systems

Am Ende wollen wir ein geschlossenes System werden, gerade im Beruf. Es geht nicht darum, dass uns nichts mehr berührt, das wäre ein hoher und auch kein schöner Anspruch. Es geht darum, dass uns weniger aus der Bahn wirft. Dass wir Herr und Frau unseres eigenen Systems bleiben. Diesen Weg nenne ich Schattenarbeit. Schatten hat nichts mit Dunkelheit im dramatischen Sinn zu tun. Wir holen etwas aus dem Verborgenen, aus dem Unterbewusstsein, ans Licht, ins Bewusstsein. Dort dürfen wir es anschauen, sortieren, verarbeiten, verdauen und verabschieden. Was gesehen wird, verliert seine Macht.

Ihr erster Schritt

Was würde sich in Ihrem Alltag verändern, wenn der nächste Satz Sie nicht mehr aus der Bahn würfe? Wenn Sie berührt werden und trotzdem bei sich bleiben? Diesen Weg gehen wir gemeinsam, in der systemischen Begleitung und, wenn nötig, in einer Aufstellung. Der erste Schritt ist ein kostenfreies Orientierungsgespräch.

Rechtlicher Hinweis: Meine Begleitung ist eine systemische Erfahrungsarbeit und ersetzt keine ärztliche Behandlung. In akuten Krisen mit Selbstgefährdung wenden Sie sich bitte an den ärztlichen Bereitschaftsdienst 116 117 oder den Notruf 112.

Bild: Yijie Miao

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