Vater und Kind, Thema Beziehung zum Vater und Familienaufstellung

Viele Menschen arbeiten sich lange an ihren Müttern ab. Sie ringen um Anerkennung, Nähe oder Frieden, und zwar unabhängig vom Alter. In den über zwanzig Jahren, in denen ich mich damit beschäftige, habe ich junge, reifere und sehr reife Menschen gesehen, die das immer noch tun.

Lange schien mir das selbstverständlich, immerhin ist die Mutter die erste Beziehung unseres Lebens. Mit der Zeit habe ich verstanden, dass dahinter ein tieferer Sinn steckt. Wir arbeiten uns an der Mutter ab, um den nächsten Schritt gehen zu können, den zum Vater. Denn hinter dem Vater liegt der Lebenserfolg.

Die drei Hinbewegungen

Wir starten alle gleich ins Leben. Der Weg aus dem Bauch hinaus ist für jeden derselbe, und wir kommen gleich und gleichwertig auf die Welt. Dann beginnt der eigentliche Weg. Hindernisse müssen wir alle überwinden. Die Frage ist nur, wie groß sie werden und wie viele Umwege wir gehen. Das hängt auch davon ab, ob das Wissen um diese Bewegungen in einer Familie schon vorhanden war.

Ein Baum wächst nach einer inneren Ordnung. Genau diese Ordnung habe ich über die Jahre auch beim Menschen gesucht und bin auf drei Bewegungen gestoßen, die wir vollziehen dürfen, um wie ein Baum in unserer Ordnung zu wachsen. Alles in der Natur ist auf Wachstum ausgerichtet.

Die erste Bewegung führt uns zur Mutter. Die zweite führt uns, gemeinsam mit der Mutter, zum Vater. Und die dritte entlässt uns ins eigene Leben. Alle drei sind Hinbewegungen, und sie müssen gelingen. Gelingen sie mit Hingabe, haben wir es leichter. Wir kennen unsere Potenziale, haben eine bessere Beziehung zu uns selbst und finden schneller unseren Weg. Das wäre die Ordnung.

Wenn die Bewegung ausbleibt

Die Unordnung ist verbreiteter. Wir alle kennen die Folgen von gefühlter Mutter- und Vaterlosigkeit. Man sieht sie im leeren Blick, in innerer Rastlosigkeit, in depressiven Verstimmungen und anderen seelischen Symptomen, manchmal auch in Krankheit. Man sieht sie in Beziehungslosigkeit, in wechselnden Partnerschaften, in ungesunden Bindungen, in Überlastung und Burnout, in Konkurrenzkämpfen und Konflikten in Unternehmen.

Hinter mancher schweren und chronischen Erkrankung kann eine Schicksalsverbindung stehen. Bei Krebs oder auch bei anhaltendem Bluthochdruck handelt es sich möglicherweise um Solidaritätskonflikte: Aus tiefer Liebe folgt jemand einem geliebten Menschen unbewusst in ein Leiden. Was die Medizin über ähnliche Erbanlagen erklärt, hat auf der seelischen Ebene oft diesen systemischen Hintergrund.

Und selbst Menschen, die viel erreicht haben, spüren oft ein leises Fehlen, das Gefühl, nicht ganz im eigenen Leben zu stehen. Das zeigt: Wir führen zwei Konten. Auf das materielle Konto zahlen Geld und Erfolg ein. Auf das emotionale Konto zahlt ein, wie genährt und zufrieden wir uns fühlen. Ein volles materielles Konto tröstet wenig, wenn das emotionale leer bleibt.

Oft sind es die nicht vollzogenen Hinbewegungen, die Zufriedenheit, Erfüllung oder Gesundheit im Weg stehen. Wir bleiben davor stehen. Vor der Mutter. Vor dem Vater. Zwischen ihnen. Und dieses Dazwischen wirkt bis weit ins Erwachsenenleben, auch dann, wenn wir längst selbst verheiratet sind und Kinder haben. Es zeigt sich in Konflikten in der eigenen Partnerschaft. Und eins noch: Wer seine Eltern sucht, sucht auch den Sinn des Lebens.

Warum Väter so wichtig sind

Wir haben kaum eine Vorstellung davon, wie wichtig Väter sind. Auch ich musste mir als Mutter eingestehen, dass ich mein Kind zwar getragen und genährt habe, die Erdung aber über den Vater kommt. Diese Einfachheit hat mich beeindruckt, und ich habe sie bei vielen Menschen in meiner Praxis gesehen, deren Hinbewegungen ich nachträglich begleiten durfte.

Dabei spielt es keine Rolle, ob ein Vater noch lebt oder ob er je im Leben seines Kindes war. Denn die Hinbewegung muss im Herzen gelingen. Das ist anspruchsvoll genug. Vorwürfe und Ansprüche stehen im Weg. Auch die Loyalität zur Mutter kann uns vom Vater trennen. Sie ist die erste und kräftigste Beziehung unseres Lebens und bleibt es unser Leben lang. Sie entscheidet, ob die Hinbewegung zum Vater gelingt. Das Erstaunliche ist: Am leichtesten gelingt sie mit ihr. Mütter dürfen mitkommen.

Manchmal können sie es nicht. Dann stellen sie sich in den Weg. Diese Bewegung hat ihre eigene Geschichte, und sie hat Folgen. Das hat nichts mit Strafe zu tun. Es geht um Ursache und Wirkung. Und doch lässt sich die Bewegung nachträglich vollziehen. Wo die Mutter nicht mitkommt, finden wir liebevoll einen anderen Weg.

„Werde nicht wie dein Vater"

In unserer Zeit wird das Väterliche oft kritisiert und manchmal ausgeschlossen. Nach Trennungen bleiben Kinder häufig bei der Mutter, während der Vater an den Rand rückt. Und leise klingt ein Satz nach, der mehr zerstört, als wir ahnen: „Werde nicht wie dein Vater." Dieser Satz trennt ein Kind von sich selbst, von seiner Kraft, von seinem Erfolg. Wer den Vater ausschließt, schließt das Leben aus, das durch ihn kam.

Ein inneres Ja zum Vater

Ein inneres Ja zum Vater heißt nicht, dass wir alles gutheißen. Und wenn Vater und Mutter noch leben, heißt es auch nicht, dass Beziehungen plötzlich harmonisch werden oder sich alles wie durch Magie klärt. Doch eines verändert sich immer: die innere Haltung zu den Eltern. Und manchmal, wenn Vorwürfe und Ansprüche fallen und Frieden einkehrt, entspannen sich auch die Eltern. Dann können sich Beziehungen tatsächlich wandeln.

Diese Hinbewegungen sind eine Leistung der Seele. Leise und kraftvoll. Ein Schritt zur eigenen Ganzheit und zu einem Frieden, der über die Eltern hinauswirkt. Er öffnet Türen zu Möglichkeiten, die verborgen waren, solange diese Bewegungen ausstanden.

Meine Einladung

Beenden Sie den Kampf gegen das Väterliche und bewegen Sie sich darauf zu. Dort, wo diese Hinbewegung gelingt, entspannt sich auch das Mütterliche. Viele Mütter tragen eine eigene Sehnsucht in sich, weil ihnen die Bewegung zum eigenen Vater nicht gelungen ist. Gelingt sie dem Kind, gelingt sie vielleicht auch der Mutter. Dann kommt das Leben in Fluss.

Ihr erster Schritt

In der Aufstellungsarbeit werden diese verdeckten Dynamiken sichtbar, und die nächste innere Bewegung wird spürbar. Dabei spielt es keine Rolle, ob Ihr Vater noch lebt, die Bewegung geschieht im Herzen, auch nachträglich. Mehr dazu auch auf meiner Seite systemische Begleitung. Wer diese Bewegungen des Lebens vollzieht, steht mehr in seiner Mitte und gestaltet sein Leben, statt nur zu funktionieren. Der erste Schritt ist ein kostenfreies Orientierungsgespräch.

Rechtlicher Hinweis: Meine Begleitung ist eine systemische Erfahrungsarbeit und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung.

Bild: Jochen van Wylick

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