Die Hände eines Kindes und die Hände einer Mutter, Sinnbild für den Segen als Geste des Wohlwollens.

Wir leben in einer Zeit der Polykrisen. Die Bedrohungslagen flimmern über unsere Bildschirme, fordern uns in den Unternehmen heraus und sickern bis ins Privatleben durch. Auch mich lässt das nicht kalt. Es gibt Momente, in denen die Welt zu laut, zu komplex und zu bedrohlich wirkt. In solchen Momenten greife ich zu einem Werkzeug, das so alt ist wie die Menschheit und im Lärm der Moderne fast vergessen wurde. Wenn die Angst mich packt, treffe ich eine Entscheidung. Ich segne das, was mir Angst macht.

Segen ist keine kirchliche Exklusivität

Wenn wir das Wort Segen hören, denken wir oft sofort an die Kirche. Lange wurde das Bild gepflegt, dass nur geweihte Amtsträger das Recht hätten zu segnen. Wer sollte als vermeintlich Sündiger schließlich diese Macht besitzen? Doch Segen ist älter als jede Institution. Er ist ein Ur-Phänomen des Menschseins.

In der Wortherkunft bedeutet segnen, im Lateinischen bene-dicere, wörtlich: gut sprechen. Es ist die bewusste Entscheidung, einer Sache oder einem Menschen Wohlwollen zuzusprechen, ganz unabhängig von den Umständen.

Spätestens seit ich Mutter bin, kenne ich diese Ur-Kraft in mir. Im Volksmund sagen wir: Meinen Segen hast du". Dieser Satz trägt eine Wahrheit in sich, die weit über eine bloße Erlaubnis hinausgeht. Es ist eine Übertragung von Kraft. Wenn meine Tochter vor einer Herausforderung steht oder krank ist, segne ich sie. Es gibt kaum etwas Berührenderes, als einem Kind die Hand auf den Kopf zu legen, ihm in die Augen zu schauen und zu sagen:

„Ich segne dich und deinen Weg. Ich bin ganz mit dir einverstanden."

In diesem Moment können Sie zusehen, wie sich das Kind innerlich aufrichtet, wie seine Seele Halt findet. Es ist die beste Wegzehrung, die wir unseren Kindern mitgeben können, bevor sie sich aufmachen in ihr eigenes Leben. Mehr über diese Begleitung von Kindern lesen Sie unter Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene.

Wenn wir den Segen entziehen

Wo Licht ist, ist auch Schatten. Wir sind erstaunlich geübt darin, anderen den Segen zu entziehen. Meistens geschieht das unbewusst, weil wir in Wut, Groll oder Eifersucht gefangen sind. Den Segen zu verweigern, heißt in der Tiefe:

„Ich spreche dich schuldig."

Schuld ist eine schwere Last. Wir können anderen das Leben unerträglich schwer machen, indem wir ihnen unser Einverständnis verweigern. Doch wer die Macht hat, den Segen zu verweigern, hat auch die Gabe, ihn zu geben. Es ist dieselbe Kraftquelle. Wir müssen nur die Richtung ändern.

Segen als Schutzschild in unsicheren Zeiten

Warum sollten wir ausgerechnet das segnen, was uns Angst macht? Segen ist die radikalste Form der Annahme. Wenn ich eine Krise segne, nehme ich ihr die Macht über meine Angst. Ich behaupte nicht, dass alles gut ist. Ich sage:

„Ich bin mit dir einverstanden, so wie du gerade bist."

Damit höre ich auf, gegen die Realität zu kämpfen, und werde wieder handlungsfähig. Mit der Abwehr kommt das Unglück, in der Annahme kommen die Lösungen.

Ich lade Sie ein, diese alte Kraft wieder zu entdecken:

  • Segnen Sie den Kollegen, mit dem Sie im Konflikt stehen. Es geht nicht darum, wer Recht hat. Es geht darum, den Krieg in Ihrem Kopf zu beenden.
  • Segnen Sie Ihr Unternehmen, wenn es gerade stockt. Geben Sie ihm die Erlaubnis, wieder zu fließen.
  • Segnen Sie das Land, in dem Sie leben. Nehmen Sie es als das Feld an, auf dem Sie stehen, um aus der Ohnmacht in die Gestaltung zu kommen.
  • Segnen Sie Ihr Geld, wenn es knapp ist. Geld folgt der Anerkennung.
  • Segnen Sie Ihren Körper, wenn er schmerzt. Er ist der Tempel Ihres Lebens.
  • Segnen Sie Ihr eigenes Leben. Sagen Sie Ja zu allem, was war, was ist und was kommen wird. Es ist die radikalste Form der Selbstliebe und der Anfang wahrer Souveränität.

Segen ist keine esoterische Spielerei. Es ist ein hochwirksamer innerer Standpunkt. Es ist die Entscheidung, die Ordnungen des Lebens anzuerkennen und sich selbst wieder in den Fluss der Kraft zu stellen.

Ihr erster Schritt

Wenn Sie in einer unruhigen Zeit den Boden unter den Füßen suchen und ahnen, wem oder was Sie gerade Ihren Segen verweigern, schauen wir gemeinsam hin, in meiner Praxis in Berlin-Schöneberg oder per Video. Der erste Schritt ist ein kostenfreies Orientierungsgespräch. Mehr über diese Arbeit lesen Sie unter systemische Begleitung.

Und zum Schluss eine Frage: Wem oder was verweigern Sie aktuell noch Ihren Segen, und was würde geschehen, wenn Sie heute damit begännen, gut darüber zu sprechen?

Dieser Beitrag ist ein persönlicher und systemischer Impuls und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung.

Bild: David Trinks

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