Die chinesische Organuhr als Kreis mit zwölf Doppelstunden, die Leberzeit von 1 bis 3 Uhr in Pink hervorgehoben.

Wer heute schlecht schläft, kauft sich einen Ring, der den Schlaf misst. Am nächsten Morgen weiß er dann genau, wie schlecht er geschlafen hat. Was der Ring nicht erfasst, ist das Warum. Und genau das ist das Interessante.

Die Frage, die kein Gerät stellt

Wenn mir jemand von Durchschlafstörungen erzählt, frage ich als Erstes: Wachen Sie immer zur gleichen Zeit auf? Erstaunlich viele sagen ja. Kurz nach eins. Immer gegen drei. Das ist selten Zufall, und es lohnt sich, genauer hinzuschauen.

Was die Organuhr erzählt

Die Traditionelle Chinesische Medizin ordnet jeder Doppelstunde des Tages ein Organ zu, seine Zeit der stärksten Aktivität und Erneuerung. Nachts arbeiten die Organe an der Regeneration. Das ist einer der Gründe, warum die Nachtruhe so entscheidend ist. Dass die Nacht zum Schlafen da ist, weiß jede Kultur der Welt.

Wenn wir nun regelmäßig zur selben Stunde wach werden, kann uns die Organuhr einen Hinweis geben, welches Thema gerade Aufmerksamkeit möchte. Sie ist kein Messgerät und keine Diagnose. Sie ist eine Landkarte, die Fragen stellt, wo ein Ring nur Zahlen liefert.

Die Leber, 1 bis 3 Uhr

Nehmen wir die Leberzeit, 1 bis 3 Uhr. In der chinesischen Sicht entgiftet die Leber in diesen Stunden, sie speichert das Blut und sorgt für den freien Fluss der Lebensenergie. Wer in diesem Fenster immer wieder aufwacht, bekommt womöglich einen Hinweis auf ein Leberthema.

Die Leber steht für die erworbene Autorität, für Schöpferkraft, Humor und Initiative. Rosina Sonnenschmidt hat darüber ein ganzes Buch geschrieben, „Leber und Galle, erworbene Autorität". Wird all das über Jahre kleingehalten, staut sich etwas, das eigentlich nach vorn wollte, und aus gestauter Kraft wird Ärger. Der Volksmund weiß das längst und fragt: Welche Laus ist dir über die Leber gelaufen, dass du so wütend bist?

Findet die Wut kein Ventil, taucht sie beim zugehörigen Hohlorgan wieder auf, der Galle. Manche Kollegen nennen die Steine, die sich in der Gallenblase bilden können, augenzwinkernd Wutsteine. Ein Bild, keine Diagnose. Aber ein Bild, das oft ins Schwarze trifft.

Deshalb frage ich weiter

Wenn jemand nachts um drei wach wird, frage ich im selben Atemzug: Haben Sie sich in letzter Zeit über jemanden geärgert? Erst wird es meistens still. Dann kommen die Geschichten. Der Chef, der übergeht. Die Kollegin, die sich bedient. Der alte Ärger, der nie ausgesprochen wurde.

Das ist keine klassische Diagnose. Das sind Zusammenhänge, und Fragen, die kein Gerät stellt. Manchmal ist der Ärger auch älter als das eigene Leben, ein Groll, der in einer Familie über Generationen weitergereicht wurde, ohne dass ihn je einer ablegen durfte.

Wenn es nicht die Leber ist

Die Leber ist ein Beispiel, das mir oft begegnet. Die Organuhr kennt aber noch elf weitere Fenster. Wer regelmäßig zwischen drei und fünf Uhr wach wird, landet bei der Lunge, und die steht für Trauer und für das Loslassen. Ein Verlust, ein Abschied, etwas, das noch nicht losgelassen werden konnte, meldet sich gern in diesen Stunden. Ein Blick auf die Grafik oben zeigt, welches Organ zu welcher Zeit gehört. Die Uhrzeit ist dabei eine erste Wegmarke. Sie sagt noch nichts Endgültiges, aber sie zeigt die Richtung.

Was der Körper erzählen will

Hier liegt für mich das eigentlich Spannende. Der Körper spricht den ganzen Tag mit uns, und er wählt seinen Ort mit Bedacht. Wo sich ein Symptom zeigt, erzählt es vom Thema dahinter, und in gewisser Weise trägt es die Lösung schon in sich. Genau dort, wo es hakt, liegt auch der nächste Schritt. Ein Ring kann das Wie messen. Das Warum bleibt uns überlassen. Mehr über diese Sicht auf den Körper lesen Sie unter Naturheilkunde und ganzheitliche Behandlung.

Was am Abend hilft

Ein paar Dinge unterstützen die Nachtruhe ganz praktisch. Ein leichtes, frühes Abendessen, wenig Alkohol, die Bildschirme rechtzeitig aus. In der chinesischen Sicht mag es die Leber, wenn sie nachts nicht noch schwer verdauen muss. Auch eine kleine Übung hilft: Geben Sie dem, was tagsüber keinen Platz hatte, am Abend einen. Ein Satz genügt manchmal: Ja, das hat mich heute geärgert.

Vieles davon können Sie selbst tun. Und doch, wenn Sie derselbe Stundenschlag Nacht für Nacht weckt, meldet sich meist ein Lebensthema, das gesehen werden möchte. Genau dort beginnt meine Arbeit.

Ihr erster Schritt

Wenn Sie nachts immer wieder zur selben Zeit wach werden und ahnen, dass mehr dahintersteckt als eine schlechte Matratze, dann lohnt der Blick auf das Lebensthema hinter dem Organ, das Sie weckt. Genau das schauen wir uns gemeinsam an, in meiner Praxis in Berlin-Schöneberg oder per Video. Der erste Schritt ist ein kostenfreies Orientierungsgespräch.

Und falls Sie nachts aufwachen: um wie viel Uhr?

Dieser Beitrag beschreibt eine ganzheitliche und naturheilkundliche Sichtweise. Er ist keine Aussage über Ursachen oder Heilung und ersetzt keine ärztliche Behandlung. Halten Schlafstörungen an, lassen Sie sie bitte ärztlich abklären. Buchhinweis: Rosina Sonnenschmidt, „Leber und Galle, erworbene Autorität", Narayana Verlag.

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