Leere Stuhlreihen in einem Raum, Sinnbild für zugesagte und nicht eingelöste Verbindlichkeit.

120 Menschen hatten sich angemeldet. Erschienen sind 15. Lassen Sie diese Zahl einen Moment stehen. Sie macht mich nachdenklich, weniger über die 15, die kamen, als über die 105, die zusagten und fernblieben. Ohne Absage, ohne dass es ihnen vielleicht auffällt. Was sagt das über den Wert, den wir den Dingen noch geben, und über den, den wir uns selbst geben?

In jeder Erziehung früherer Generationen hätte man das schlicht respektlos genannt. Heute ist es Normalität.

Wir konsumieren Expertise wie Fast Food

Überall blinkt es: Freebies, Lead-Magneten, kostenlose Masterclasses. Fachleute werfen ihr über Jahrzehnte erarbeitetes Wissen in den digitalen Äther, als hätte es keinen Wert. Und auf der anderen Seite sitzt eine wachsende Zahl von Menschen, die nehmen, nehmen, nehmen, schnell, umsonst, ohne Nachgeschmack.

Dann wundern wir uns, dass trotz dieser Informationsflut nichts wächst. Nicht die Unternehmen, nicht der Eigenwert, nicht das Leben selbst. Wir entwerten uns gegenseitig und stehen am Ende mit vollen Festplatten und leeren Händen da.

Ich sage das nicht von außen. Ich habe selbst nach gutem Wissen gesucht, ein paar Webinare besucht und bei drei von fünf Anbietern danach gebucht und bezahlt. Weil ich erkannt habe, was es wert war, und bereit war, dafür einzustehen. Genau das ist der Punkt.

Das Gesetz des Ausgleichs

Erfolg ist kein Zufall. Er ist die Folge eines stimmigen Flusses zwischen Geben und Nehmen. Systemisch betrachtet verletzen wir gerade eine der wichtigsten Gesetzmäßigkeiten des Gelingens.

Die Seele ist unbestechlich. Sie weiß genau, was eine Erkenntnis wert ist. Wenn ich etwas Wertvolles nehme, ohne bereit zu sein, einen angemessenen Preis dafür zu zahlen, entsteht ein Ungleichgewicht. Und fließt kein Ausgleich, verweigert das Innere die Umsetzung. Die bittere Wahrheit: Wir können nicht behalten, was wir nicht bezahlt haben.

In meiner Praxis begegnet mir dieselbe Haltung. Manche wünschen sich eine Familienaufstellung, als wäre die Seele ein Kotflügel, den man in der Werkstatt eben richten lässt, ohne selbst eine einzige Entscheidung im Hier und Jetzt zu treffen. So funktioniert das Leben nicht. Eine Aufstellung gibt den Impuls. Leben müssen Sie ihn selbst.

Darunter liegt die Angst

Warum sitzen so viele in kostenlosen Webinaren und kommen doch nicht voran? Weil hinter der Gewohnheit, alles gratis und unverbindlich zu nehmen, fast immer eine Angst steht. Die Angst, dass es sich nicht lohnt. Dass man investiert und enttäuscht wird. Dass man sich zeigt und sich festlegt. Wer nichts gibt, riskiert nichts, und wer nichts riskiert, bleibt sich selbst fern.

In welchem Zeitalter hat Angst je getragen? Sie legt sich wie eine Hornhaut über das Empfinden. Sie schützt vor der Enttäuschung und hält uns zugleich von genau dem ab, was wir suchen.

Warum ich mein Webinar nicht mehr verschenke

Ich habe selbst kostenfreie Webinare gegeben und damit aufgehört, weil ich gemerkt habe, dass etwas nicht stimmt: Was nichts kostet, wird zu leicht weggelassen.

Deshalb bitte ich inzwischen um einen symbolischen Beitrag. Reich macht mich das nicht. Aber dieser kleine Ausgleich verändert etwas. Wer sich festlegt, erscheint. Wer zahlt, und sei es wenig, sagt zu sich selbst: Das ist mir etwas wert. Aus diesem einen Ja entsteht mehr Bewegung als aus zehn verschenkten Stunden. Es geht nicht um das Geld. Es geht um die Haltung, die mit dem Geben kommt.

Die teuerste Entwertung ist die eigene

Und dann ist da eine Entwertung, über die wir am seltensten sprechen: die unserer eigenen Exzellenz. Wir geben uns selbst zum Nulltarif. Arbeiten über jede Grenze. Sagen zu allem Ja, liefern mehr als vereinbart, stellen den eigenen Wert hintan, aus Pflichtgefühl, aus der Angst, nicht zu genügen, aus der alten Hoffnung, die Anerkennung komme schon, wenn wir nur genug geben. Und dann wundern wir uns, dass nichts zurückfließt.

Der Ausgleich gilt auch nach innen. Wer sich dauerhaft unter Preis gibt, bei dem stimmt die Bilanz irgendwann nicht mehr. Die Seele rechnet genau. Und wenn wir sie nicht hören, übernimmt der Körper die Buchführung, mit Erschöpfung, mit Schlaflosigkeit, mit Symptomen, die sich nicht mehr wegerklären lassen. Irgendwann sagt der Körper Stopp. Er tut das nicht, um uns zu strafen. Er fordert nur den Ausgleich ein, den wir uns selbst verweigert haben. Mehr dazu unter Burnout und Erschöpfung.

Ihr erster Schritt

Prüfen Sie diese Woche einmal Ihre eigene Bilanz, nicht streng, aber ehrlich. Wo nehmen Sie etwas an, ohne bereit zu sein, den Preis der Umsetzung zu zahlen? Wo geben Sie sich selbst zum Nulltarif, bis der Körper Ihnen die Rechnung schickt? Und welche Angst steckt unter beidem, wenn Sie ganz hinschauen?

Wenn Sie dem nachgehen möchten, schauen wir gemeinsam hin, in meiner Praxis in Berlin-Schöneberg oder per Video. Der erste Schritt ist ein kostenfreies Orientierungsgespräch.

Und zum Schluss eine Frage: Wo dürfen Sie den vollen Preis anerkennen, den der anderen und Ihren eigenen?

Dieser Beitrag ist ein persönlicher und systemischer Impuls und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung.

Bild: Anggi Tampubolon

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