Sie sind fachlich stark. Sie kennen die Modelle, die Tools, die Theorie guter Führung. Und doch stoßen Sie immer wieder an dieselbe Grenze. Sie scheuen den Konflikt. Sie können schwer delegieren. Sie setzen keine Grenzen oder Sie kämpfen um Anerkennung, die nie reicht.
Oft steckt dahinter kein fehlendes Führungswissen. Es ist die eigene Herkunft, die sich in der Führung zeigt.
Der Platz von damals zeigt sich heute
Wir sind alle in ein erstes System hineingeboren, die Familie. Dort haben wir gelernt, welchen Platz wir einnehmen dürfen, ob wir groß sein dürfen, ob wir widersprechen dürfen, ob Konflikt gefährlich ist oder erlaubt.
Diese frühen Prägungen verschwinden nicht, wenn wir ins Berufsleben eintreten. Sie ziehen mit. Was uns privat schwerfällt, fällt uns auch beruflich schwer, etwa Beziehungen einzugehen, Konflikte auszuhalten oder den eigenen Standpunkt zu vertreten. Oft gibt es eine erstaunliche Parallele zwischen unserem Platz in der Ursprungsfamilie und unserer Rolle im Team. Wo wir damals nicht vorankamen, zeigt sich später gern im beruflichen Umfeld wieder.
Wenn alte Loyalitäten mitregieren
Ein paar Beispiele, wie sich das im Führungsalltag zeigt:
- Wer als Kind für den Frieden in der Familie sorgen musste, scheut später oft den nötigen Konflikt im Team und moderiert lieber weg, was ausgesprochen werden müsste.
- Wer nie größer sein durfte als ein Elternteil, tut sich schwer, den eigenen Platz einzunehmen und sichtbar zu führen.
- Wer Anerkennung als Kind vermisst hat, sucht sie im Beruf, und egal wie viel Erfolg kommt, es reicht nicht.
- Wer aus Loyalität das schwere Schicksal eines Vorfahren mitträgt, führt oft überangepasst oder erschöpft, weil ein Teil der Kraft anderswo gebunden ist.
Das ist keine Charakterschwäche. Es ist ein Muster, das einmal Sinn hatte und heute im Weg steht. Aus systemischer Sicht ist es eine gebundene Liebe, eine unbewusste Treue zu denen, von denen wir kommen.
Wenn Sie Ihren Platz einnehmen
In der systemischen Arbeit geht es nicht um immer neue Führungstechniken. Wir schauen an die Wurzel. Wir machen sichtbar, welcher alte Auftrag Sie noch bindet, und geben ihm einen Platz, wo er hingehört. Und wir schauen auf die Bewegung, die vielleicht unterbrochen ist, die Hinbewegung zu den eigenen Eltern.
Der entscheidende Schritt ist, die Eltern zu nehmen, wie sie sind, und das Leben zu nehmen, das durch sie zu Ihnen kam. Nicht, weil alles gut war. Es geht darum, dass Sie dann Ihren eigenen Platz einnehmen können, im Leben und in der Führung.
Wenn das gelingt, verändert sich Ihre Führung fast von selbst. Sie müssen sich weniger anstrengen und wirken zugleich eindeutiger. Diese Arbeit findet außerhalb von Akten und Diagnosen statt, diskret und vertraulich. Gerade für Menschen in Verantwortung ist dieser geschützte Rahmen wichtig.
Und wenn Versöhnung unmöglich scheint?
Viele Menschen sagen mir an dieser Stelle: Mit meinen Eltern kann ich mich nicht versöhnen, dafür ist zu viel geschehen. Das verstehe ich, und Sie müssen es auch nicht.
Versöhnung meint hier nicht, dass Sie gutheißen, was war. Sie meint nicht, dass Sie Kontakt aufnehmen oder dass alles vergessen ist. Was geschehen ist, bleibt, wie es war, und Ihre Grenzen bleiben Ihre Grenzen. Es geht um etwas Leiseres und zugleich Größeres, um ein inneres Ja zu dem Leben, das durch Ihre Eltern zu Ihnen gekommen ist. Sie haben es Ihnen weitergegeben und diesen einen Teil dürfen Sie annehmen.
Dieses innere Ja ist eine Bewegung des Herzens, mehr als eine Leistung des Kopfes. Es gelingt oft auch dann, wenn ein Elternteil nicht mehr lebt oder wenn Sie keinen Kontakt möchten. Und genau von dort wird Kraft frei, die Sie vorn im Leben und in der Führung brauchen.
Ihr erster Schritt
Wenn Sie ahnen, dass hinter einem wiederkehrenden Muster in Ihrer Führung etwas Älteres steht, schauen wir gemeinsam hin. In meiner Praxis in Berlin-Schöneberg oder per Video. Mehr dazu auf meinen Seiten Für Führungskräfte und systemische Begleitung. Mitunter ist eine Familienaufstellung notwendig. Der erste Schritt ist ein kostenfreies Orientierungsgespräch.
Und zum Schluss eine Frage: Würden Sie Ihr Unternehmen so führen, wie Sie Ihr eigenes Leben führen?
Dieser Beitrag ist ein persönlicher und systemischer Impuls und ersetzt keine ärztliche Behandlung.
Bild: Angela Bailey