Katja Fesselmann als Turniertänzerin, Thema Führung

Ich war einmal Turniertänzerin. Mit zwölf fing ich an, mit 17 stand ich auf meinem ersten großen Parkett, mit 19 tanzte ich bei der Landesmeisterschaft in Berlin. Wer glaubt, Tanzen sei nur Schweben und Lächeln, hat noch nie geführt, oder folgen müssen. Es ist Körperarbeit, Feingefühl und manchmal pures Chaos.

Klare Rollen auf dem Parkett

Im Standardtanz sind die Rollen klar verteilt. Die Frau bewegt sich meist mit dem Rücken zur Tanzfläche, sie sieht nicht, wohin es geht. Der Mann führt, die Frau folgt.

In Unternehmen sprechen wir nicht mehr von Mann und Frau. Dort geht es um den, der führt, und den, der folgt, und führen kann dort selbstverständlich auch eine Frau. Das Bild vom Tanz zeigt trotzdem etwas, das für jede Führung gilt.

Führung braucht Mitte, und was das wirklich heißt

Beim Tanzen zeigt sich schnell, was gute Führung braucht: eine stabile Mitte. Nicht die Brust und nicht die Schultern. Die Mitte auf Magenhöhe. Von dort führt der Mann auf der Tanzfläche. Neigt er sich nach vorn, weil er seine Mitte nicht hält, kippt die Bewegung. Der Kontakt geht verloren, und die Partnerin sitzt plötzlich auf seinem Oberschenkel. Keine Beinfreiheit, kein Fluss. Ich weiß das so genau, weil ich die war, die dort landete. In diesem Moment habe ich verstanden, was Führung nicht ist.

Aus der Mitte zu führen heißt im übertragenen Sinn: bei sich bleiben. Einen Standpunkt beziehen und ihn halten, auch wenn es ungemütlich wird. Ein Gefühl für die ganze Situation behalten. Und vor allem mit sich selbst einverstanden sein. Wer mit sich im Reinen ist, darf sogar Schwäche zeigen, ohne zu wanken.

Ich weiß, dass das in manchen Unternehmen schwerfällt. Wo es zugeht wie in einem Haifischbecken, will niemand angreifbar wirken, weil schon der Nächste am eigenen Stuhl sägt. Doch genau dort entscheidet sich Führung. Fehlt die Mitte, entsteht Distanz. Von außen mag das elegant aussehen, innen aber ist Luft zwischen den Menschen. Und in dieser Luft wachsen Missverständnisse, ganz ohne böse Absicht.

Die Prinzipien des Führens

  • Rhythmus und Timing. Wer führt, gibt die Richtung vor und den Takt. Zu früh, und der andere verliert den Anschluss. Zu spät, und der Schwung ist weg. Rhythmus kommt vom Herzen, und er lebt vom Wechsel aus Anspannung und Entspannung. Wer nur auf Daueranspannung läuft, läuft leer.
  • Rahmen und Freiheit. Der Führende gibt den Rahmen. Innerhalb dieses Rahmens kann der Folgende gestalten. Ohne einen klaren Rahmen stolpert er. Führung heißt, Grenzen zu setzen, damit andere sich sicher bewegen können.
  • Verantwortung für die Richtung. Der Folgende sieht oft nicht das ganze Feld. Er vertraut. Der Führende trägt den Überblick. Führung heißt, auch für die zu sehen, die gerade nichts sehen.
  • Spannung und Nähe. Wo kein echter Kontakt entsteht, sieht es von außen vielleicht gut aus, innen aber bleibt es leer. Distanz kann glänzen, doch sie trägt nicht. Echte Nähe hält zusammen.
  • Dienen statt Strahlen. Im Tanz ist es oft der Folgende, der sichtbar strahlt. Der Führende tritt zurück, um diesen Glanz zu ermöglichen. Gute Führung ist kein Machtspiel. Sie ist ein Dienst. Der Führende führt, damit der andere wirken kann.

Warum Führung von innen kommt

Führung lässt sich nicht mit Werkzeugen von außen erzeugen. Ich arbeite nicht mit Führungstools. Es geht um eine Autorität, die aus Ihnen selbst kommt, sodass Führen so natürlich wird wie Atmen. Sie betreten einen Raum und nehmen Ihren Platz ein, ohne ihn behaupten zu müssen.

Warum von innen? Weil Sie im entscheidenden Moment auf nichts anderes zugreifen können. Die Neurowissenschaft beschreibt, dass unter starkem Stress der Teil des Gehirns, der auf erlernte Methoden zugreift, in den Hintergrund tritt. Wir reagieren dann aus älteren, tieferen Hirnregionen. Genau in diesem Moment brauchen wir das, was wir Bauchgefühl nennen. Und das Bauchgefühl sitzt wieder in der Mitte.

Deshalb geht es in meiner Arbeit mit Führungskräften um die ganze Persönlichkeit. Es geht nicht um Techniken für den guten Tag. Es geht um eine Führungspersönlichkeit, die auch im Sturm trägt.

Die Kunst des Folgens

Führung gelingt nur, wenn auch das Folgen gelingt. Wer folgt, muss folgen wollen und können. Reißt der Folgende die Richtung an sich, ohne den Überblick zu haben, wird es chaotisch. Das gilt auch in Unternehmen: Wenn alle führen und niemand folgt, geht das Ganze auseinander.

Und noch etwas: Wer führt, folgt zugleich. Denn am Ende folgen wir uns selbst, unserem Bauchgefühl, unserer inneren Stimme. Wer sich selbst nicht führen und sich selbst nicht folgen kann, wird auch anderen keine Richtung geben.

Das Gesamtkunstwerk

Das Ganze gelingt, wenn alle mit ihrer Rolle einverstanden sind. Wer führt, bereitet denen das Parkett, die folgen. Das ist im Kern ein systemisches Feld. In einem Team heißt das, darauf zu achten, dass die, die folgen, auch wirklich folgen wollen. Und wer selbst Führungspersönlichkeiten führt, gibt ihnen Verantwortung für einen eigenen Bereich, damit sie dort wiederum führen können. Manchmal braucht es dafür eine neue Zwischenebene. Führung ist so gesehen immer auch Arbeit am ganzen System.

Vielleicht sollte jede Führungskraft einmal tanzen, weniger um perfekt zu werden, mehr um beide Rollen selbst zu spüren. Und ja, selbst wer große Teams bewegt, darf sich hin und wieder auch einmal führen lassen.

Ihr erster Schritt

Wenn Sie in Verantwortung stehen und Ihre Führung von innen heraus tragen wollen, arbeite ich mit Ihnen an Ihrer Führungspersönlichkeit, damit Sie auch unter Druck aus Ihrer Mitte führen. Und wir schauen systemisch, was Sie bisher vielleicht daran hindert, diese Führungspersönlichkeit ganz zu leben. Diskret und außerhalb von Akten und Diagnosen. Mehr dazu auf meiner Seite Für Führungskräfte und in der systemischen Begleitung. Der erste Schritt ist ein kostenfreies Orientierungsgespräch.

Wenn es Zeit ist hinzuschauen.

Ein erstes Gespräch zeigt, was Sie bewegt – und wohin es gehen kann.

 

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